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AUTOBIOGRAFISCHE SZENEN

Am Ende dieser Seite steht meine Lebensphilosophie
Auf dem Weg dorthin möchte ich einen lebendigen Einblick ermöglichen, wie ich zu dieser fand.
Spielt Musik in deinem Leben eine Rolle, wirst du einige Denkanstöße erhalten:
Es bedeutet mir eine Menge, diese Zeilen mit dir zu teilen.

SOMMER 2002

INITIALZÜNDUNG
Ich sitze mit meiner besten Freundin im Sandkasten unter dem Klettergerüst. Träumerisch erzählt sie mir von ihrem Wunsch, Tierärztin zu werden. Mit meinen neun Jahren bin ich mir in diesem Moment sehr sicher, wir würden später einmal heiraten.
"Ich werde Akkordeonweltmeister!", sprudelt mein Berufswunsch aus mir hervor. Kurz zuvor hat mich mein Vater mit zu einem Christa-Behnke-Konzert genommen und ich habe mein großes Idol gefunden.
Zu diesem Zeitpunkt ist unvorstellbar für mich, dass Akkordeonweltmeister für sich genommen noch gar kein Beruf ist.

KURZ ZUVOR

Christa steht auf der Bühne: Voller Leichtigkeit, voller Freude zieht sie ihr Publikum charmant in den Bann. Irgendwo in einer der hinteren Reihen stehe ich und bin überwältigt am Staunen. Zu dieser Zeit beschäftigt mich nichts mehr, als die halbe Stunde täglich, die ich mit Videospielen verbringen darf, so ausgiebig wie möglich auszukosten. Seltsamerweise sind meine Gedanken während dem Christa Behnke Konzert aber leer: Der Traum, auf der Wiese meiner Eltern irgendwann doch ein Pokémon zu entdecken; der Wunsch, endlich den neuen Nintendo zu bekommen; nichts davon scheint bedeutend und die Zeit vergeht wie im Flug. Ich wünsche mir, wenn ich einmal groß bin, auch Akkordeonweltmeister zu sein.
Dass man dafür Wettbewerbe gewinnen muss und dass man sich von dem Titel alleine auch noch keine Kugel Eis kaufen kann, kann ich zu der Zeit noch nicht verstehen. So wie Christa Akkordeonweltmeister zu sein, heißt für mich, anderen Menschen Momente der Leichtigkeit und des Staunens zu bescheren und sie in eine Welt entführen, die mindestens so aufregend sein muss, wie die Fantasiewelt der Pokémon (ich war unglaublich großer Pokémon-Fan).

Zurück im Sandkasten

Kichern. Wir befinden uns in der Zeit, in der man zum Weltspartag bei der Bank noch einen Michael Schumacher Füller bekommt und jeder Junge Formel-1-Weltmeister werden möchte. Akkordeonweltmeister? Darunter kann sich niemand etwas vorstellen. Meine Freundin springt auf und das Thema ist vom Tisch. Dann bauen wir einen Vulkan aus Sand und brennendem Papier ehe wir fluchtartig den Spielplatz verlassen, weil wir uns plötzlich nicht mehr sicher sind, ob unsere Eltern für das kleine Feuer ins Gefängnis kommen könnten…

Etwa ein Jahrzehnt später: 6. Oktober 2011

HÖHEPUNKT, WENDEPUNKT
Ich sitze auf der Rückbank eines Taxis in Shanghai und halte dem Fahrer einen handgeschriebenen Zettel mit Schriftzeichen hin, weil er nur Chinesisch spricht. Alles ist sehr schnell gegangen: knapp drei Stunden vor dem Preisträgerkonzert des Coupe Mondiales ist über mein Handy der Aufruf eingegangen, sofort mein Akkordeon zu holen und vor den anderen zur Konzerthalle zu kommen. Die Stirnkante am vibrierenden Fensterglas und den rechten Arm um den Rucksack meiner aufgeregt schaukelnden Hohner FunFlash geschlungen, ziehen die bunten Lichter der Stadt an mir vorbei. Es ist nicht ganz einfach zu fassen: Ich habe den ersten Preis in Virtuoser Unterhaltungsmusik erspielt. Eine kurze SMS nach Hause und ich schalte das Handy wieder in den Flugmodus. Die Antwort kann ich später lesen: Ich will jetzt möglichst wenig abgelenkt werden und mich erst ein mal sortieren. Seit Jahren verfolge ich diese Wettbewerbe und bewundere die Leistung der Preisträger. In diesem Jahr sind es besonders viele Teilnehmer gewesen und die Vorträge, die ich selbst mitverfolgt habe, waren von herausragender Qualität. Jeder Akkordeonist, der hier auf der Bühne steht, spielt um zu gewinnen und ich hätte mir im Vorfeld nicht angemaßt, an der Spitze mitzuschwimmen. Während den 20 Taximinuten durch Shanghais dicht gedrungenen Feierabendverkehr kommen auch Erinnerungen an damals im Sandkasten wieder hoch. Zu der Freundin hatte ich seit Jahren keinen Kontakt mehr. Ob sie sich überhaupt noch an diese Situation erinnern könnte? Mir ist, als wäre es gestern gewesen. Erinnerungsfetzen meiner Jugend blitzen in Zeitraffer vor mir auf: Die letzten Jahren habe ich wirklich außerordentlich viel dafür getan, mir meinen „Kindheitstraum“ zu verwirklichen. Ist es nicht so, dass die meisten Lebensträume je näher man ihnen kommt immer illusorischer wirken? Seit meinem Entschluss, Christa Behnke nachzueifern, kamen sehr viele Details zum Beruf des „Akkordeonweltmeisters“ hinzu. Als Formel-1-Pilot, als Tourniersieger im Golf oder gar als Fußballer in der Nationalmannschaft würde ich mir in diesem Moment nicht mehr so viel den Kopf über Zukunftsperspektiven zerbrechen.
Diese Nacht werde ich vor laufenden TV Kameras eines chinesischen Regionalsenders mit dem „Accordion Worldchampionships“ Banner auf der Bühne auftreten und meinen Pokal überreicht bekommen. Dann trage ich einen Titel, aber auf dem Weg zum Berufsmusiker bin ich damit gerade erst auf den Startblock getreten. In einem halben Jahr werde ich meine Abiturprüfungen schreiben und mich für einen Weg nach der Schule entscheiden. Engelchen und Teufelchen befinden sich auf meinen Schultern seit der Oberstufe in einem permanenten Zwist: Das eine möchte Medizin, das andere Musik studieren. Und beide reden so wild durcheinander, dass es mir schwer fällt, zu sortieren, hinter welchem der beiden „M“s in Medizin und Musik nun das Engelchen und hinter welchem das Teufelchen steckt.
Nach der Preisverleihung soll mir einiges klarer werden. Man bekommt als junger Musiker nicht einfach eine Trophäe, die man später einmal seinen Enkeln zeigt. Man erreicht nicht einfach eine Position, die man jahrelang bewundert hat, um im nächsten Moment zu sagen „interessante Aussicht, danke!“ und dann den gleichen Weg wieder hinabzuklettern, um sich wo anders an einem viel versprechenden Gipfel zu versuchen. Dieser Wettbewerb fühlt sich wie ein Meilenstein an. Ein Meilenstein allein ist noch nicht das Ziel, aber ein wichtiger Orientierungspunkt auf dem Weg dorthin. Und je mehr ich meinen Weg betrachte, desto sicherer werde ich mir, dass der Weg auch für mich das eigentliche Ziel ist: Dieser Erfolg ist eine klare Folge davon, dass ich meine Leidenschaft am Akkordeon entdeckt habe und spielerisch immer mehr dazulerne. Ich bin überzeugt, dass der Weg selbst die Reise wert ist und dass er Erlebnisse und Erkenntnisse für mich bereithält, die es wert sind, weitergegeben zu werden: An Zuhörer in Form von musikalische Erlebniswelten, an Schüler in Form von Inspiration, Tipps und Abkürzungen - und als Leuchtfeuer an alle, die wie ich damals im (sinnbildlichen) Sandkasten sitzen und sich auf die Reise machen möchten - jung und alt.

NOCH EIN JAHRZEHNT SPÄTER: SOMMER 2021

EXPERIMENTE UND ORIENTIERUNG

Es sind Momente wie dieser: Richtig, der Moment, in dem ich soeben jetzt den Text für diese Seite schreibe, die mich mit Hochachtung vor der Schöpfung und den mannigfaltigen Möglichkeiten dieses Lebens erfüllen.

Noch sind es nicht ganz drei Jahrzehnte auf unserem Planeten Erde für mich. Aber wenn ich beginne, Erinnerungen wiederaufleben zu lassen, dann fällt es mir schwer einen Punkt zu setzen. Was die Erlebnisse in Shanghai angeht, wollte ich meine Gedanken gerne einmal fließen lassen und festhalten; wer weiß, vielleicht folgen noch irgendwann ein paar ähnliche Szenen und führen diesen Faden fort...

Wann immer ich mit Mitmusikern und Freunden zusammensitze, nehmen abenteuerliche Geschichten kaum ein Ende: Das besondere an der Musik ist, dass sie ermöglicht zu reisen. Und dass man vor Ort auf eine Art mit Menschen in Kontakt kommt, die man als Tourist selten erleben kann. 
Jährlich reise ich inzwischen nach Amerika und durfte im Zuge von Konzerten und Workshops Afrika und Asien kennenlernen. Das hat viel in mir bewegt: Jede Bahnfahrt und besonders jede Flugreise eröffnet für mich einen besonderen gedanklichen Horizont.

Nach weiteren ersten Preisen bei Internationalen Wettbewerben wie dem ROLAND V-ACCORDION FESTIVAL und dem COUPE MONDIALE schwand meine Motivation, weiter Wettbewerbe zu spielen.
Es folgte eine Phase, die vieles hinterfragte. Talent verpflichtet, aber wozu? Wenn ich theoretisch fast jede Musik einstudieren kann, was will ich dann wirklich einstudieren? Was ist bedeutungsvoll genug, um nach all dem mit anderen geteilt zu werden?

Ich war zeitweise so sehr am Zerpflücken, dass ich es satt wurde, zu beeindrucken. Die Leute meinen es gut mit Komplimenten, die Fingergeschwindigkeit und Notengedächtnis loben. Ich wusste die Zuwendung auch sehr zu schätzen. Aber letztendlich blieb das ist für mich Handwerk: Das was ich trainiert habe, um etwas größeres darüber zu transportieren.

Zum Glück folgte auf die Phase des Zerpflückens eine wundervolle Erkenntnis: Dass nahezu alles, was von Herzen kommt, es wert ist, auch ein anderes Herz zu erreichen. Musik birgt die Kraft, zum Nachdenken anzuregen. Sie kann uns in Gefühlswelten versetzen, die uns dem Alltag entreißen und die gleichzeitig Erlebnisse aus unserem Alltag aufarbeiten oder untermauern können. Es ist keine Selbstverständlichkeit, erwachsene Menschen auf eine Art zu beeindrucken und zum Staunen zu bringen wie unvoreingenommene Kinder.

Ich empfinde es als Segen, als Musiker den Anspruch abgelegt zu haben, die Welt retten zu müssen. Aber ich sehe es als meine Pflicht, Menschen zu sensibilisieren. Menschen zusammenzuführen. Menschen zum Nachdenken und zum Austausch anzuregen. Und die Musik als Vorbild zu sehen: Musik ist eine universelle Sprache - ganz so wie ein Lächeln. Musik kennt keine Grenzen: Sie kann unterschiedlichste Herkünfte miteinander verschmelzen, sie verbindet altes mit neuem und sie findet immer im JETZT statt. Ein Fehler im vorigen Takt kann vollkommen bedeutungslos werden, sobald ein folgender Ton wirklich berührt. Und die Angst vor einer schwierigen Passage, die sich anbahnt, lässt sich für Musizierende überwinden, wenn sie den Fluss der Musik strömen lassen und das Ego darin versinkt. Das ist Zuversicht und Kraft, die jedem Menschen für die Herausforderungen des Lebens zusteht. Dabei eröffnet Musik auch zwischen Zuhörer und Interpret eine magische Verbindung von unverwundbarer Heiterkeit und Präsenz.

Noch vor 10 Jahren hätte ich es mir nicht vorstellen können, so viel zu unterrichten, wie ich es heute tue. Inzwischen habe ich erfahren, was es bedeutet, diese musische Kraft in anderen zu stärken und sie als "Botschafter" in die Welt zu entsenden. Als Dozent am Hohner-Konservatorium und als Coach in den engmaschigsten Akkordeontrainings, die ich mir erdenken kann, erfüllt mich diese Aufgabe von ganzem Herzen.

HEUTE & MORGEN

MIT BLICK IN DIE ZUKUNFT

Es wurde zu meinem Leitbild, die fantastischen Möglichkeiten des Akkordeons zu nutzen, um die Kraft der Musik mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen.

Möchtest du mehr darüber erfahren, wie sich diese Quelle der Kraft erschließen lässt,
findest du einen kompakten Einstieg in dem Video Workshop,
den ich für alle Musikinteressierten auf dieser Website gratis zur Verfügung stelle.

Vielen Dank für's Lesen bis zu diesem Punkt.

Dein Matthias

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Matthias Matzke, Große Gasse 1, 73333 Gingen an der Fils
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